Elke Maes

Am 26.02.1943 wird Elke Maes in Neustadt in Sachsen als zweite Tochter des Malers und Bildhauers Rudolf Brückner- Fuhlrott (1908-1984) geboren.


Ich bin aufgewachsen mit dem Geruch von Farben, Firnis, Gips, Ton und all’ dem, was im Atelier eines bildenden Künstlers nicht nur für Kinder eine ganz besondere Atmosphäre vermittelt. Dazu gehörte auch, dass ich Kunst, Literatur, Musik, Gespräche über Gott und die Welt mit Menschen jeder politischen und religiösen  Denkungsart  als Lebens bestimmend erfahren habe.
Mein Vater war der Maler und Bildhauer Rudolf Brückner- Fuhlrott (1908- 1984). Seit 1946 wohnten wir in Weißenfels, wo mein Vater als Atelier die ehemalige Orgelbauwerkstatt des „ Thüringer Silbermann“ Friedrich Ladegast gepachtet hatte.
Von dieser Zeit an arbeitete mein Vater nahezu ausschließlich an religiösen Themen, schuf für über 100 katholische Kirchen in der DDR vielfältigste Kunstwerke, vor denen die Gläubigen auch heute noch beten.


In den siebziger Jahren zog die Familie aufs Fischland, nach Ahrenshoop/ Althagen, das bereits 20 Jahre das Sommerdomizil gewesen war. Diese Malerkolonie, vor über 100 Jahren entdeckt, wurde auch mir zur neuen Heimat. Zu den Freunden des Hauses gehörte nicht nur der Jesuit Gerhard Kroll, sondern auch Spanienkämpfer Rudi Engel, Priester und Bischöfe ebenso wie Elfriede Paul, Mitglied der Widerstandsgruppe Rote Kapelle, Kammersängerin Jutta Vulpius  und der Tänzer und Choreograph Henn Haas. Aber auch die Ahrenshooper kamen gern und oft auf einen
„ Klönsnack“ vorbei...


In diesem Elternhaus, gegen das ich mich wie viele Kinder auch heftig auflehnte, habe ich das gelernt, was ich in meinem Leben bisher am meisten gebraucht habe: Zivilcourage,  Gottvertrauen, Neugierde auf Leben, sich etwas zutrauen, Nachdenklichkeit, für andere da sein und nicht zuletzt die Liebe zur Kunst, zur Malerei, die für mich als inzwischen ausschließlich tätige Künstlerin neben meiner großen Familie zum Lebensinhalt geworden ist.


Für meine Arbeit finde ich viele Assoziationen und Lösungsansätze auch aus meinen langjährig praktizierten Fachgebieten, der Mathematik und Physik. Die Verwobenheit von Mathematik und Kunst wie sie beispielsweise bei Leonardo da Vinci, Albecht Dürer aber auch Paul Klee selbstverständlich ist, hat mich schon in jungen Jahren fasziniert und für die „trockenen“ Wissenschaften geöffnet. Vieles für mein aktuelles Schaffen habe ich also vom Vater erworben, aber auch bei mir befreundeten Künstlerinnen und Künstlern, wie Irene Kiele aus Leipzig, im Dialog gefunden. Darüber hinaus lerne ich beim Betrachten der Bilder großer Maler und Malerinnen jeder Epoche und lasse mich inspirieren. Nur einige Namen nenne ich: Albrecht Dürer, Rembrandt, Caspar David Friedrich, Max Liebermann, Emil Nolde, Gerhard Richter. In besonderer Weise berühren mich die Bilder der Ahrenshooper Malerinnen und Maler wie Anna Gerresheim, Elisabeth von Eicken, Paul Müller- Kaempf und Carl Malchin.


Wollte ich begründen, warum ich genau das male, was ich male, nämlich vorwiegend Landschaften, so kann ich nur sagen, dass für mich das Bild einer Landschaft mehr als nur ein formales vordergründiges Gestaltungsproblem ist. Es ist in jeder Form und in jedem Medium der ernsthafte Versuch einer Annäherung an die Natur, welche uns zunehmend fremd geworden ist. Diese Fremdheit aufzubrechen und Natur wieder als existenziellen Teil unseres Seins erstrebenswert und erlebbar zu machen, ist ein wichtiges Anliegen von mir.
Dabei ist mir das Land zwischen Meer und Bodden, Ahrenshoop, Darss und Fischland, verständlicherweise als Motiv besonders nah. Aber auch das Land Brandenburg war seit dem Studium in Potsdam in den 60-Jahren eine geliebte Landschaft, deren besonderen Duft ich mit meinen Bildern ein wenig einfangen möchte.


Je nach Motiv und Dichtheit des Darzustellenden nutze ich ganz unterschiedliche Malgründe und Formate und setze alle möglichen Techniken ein wie Aquarell, Pastell, Acryl, Öl oder aber Mischtechniken und Collagen oder Montagen.



Bild © Barbara Speckner